In der Schweiz wurden in den letzten zehn Jahren Zehntausende Solaranlagen ohne Batteriespeicher installiert. Viele dieser Eigenheimbesitzer speisen ihren Überschuss für nur einem marktüblichen Rückspeisetarif (Tagesaktuelle Tarife siehe EVU) ein und kaufen abends Netzstrom für einem marktüblichen Rückspeisetarif (Tagesaktuelle Tarife siehe EVU) zurück. Ein Speicher löst dieses Problem – und die Nachrüstung ist einfacher als gedacht. Dieser Artikel führt Sie durch den gesamten Prozess.
Schritt 1: Bestehende Anlage prüfen lassen
Bevor ein Speicher nachgerüstet werden kann, muss ein Fachbetrieb Ihre bestehende PV-Anlage begutachten. Folgende Punkte werden geprüft:
- Wechselrichter-Kompatibilität: Ist der vorhandene Wechselrichter speicherfähig? Ältere Modelle ohne Batterieschnittstelle erfordern entweder einen Austausch (bei DC-Kopplung) oder einen unabhängigen AC-gekoppelten Speicher.
- Elektroverteilung und Zählerkasten: Der Zählerkasten muss oft erweitert werden, um die Speicheranbindung aufzunehmen. Kosten: CHF 1'000–2'500.
- Verkabelung und Sicherungen: Die bestehenden Leitungsquerschnitte müssen für die zusätzlichen Ströme ausreichen.
- PV-Anlagenleistung: Bei sehr kleinen Anlagen unter 5 kWp kann sich ein Speicher wirtschaftlich nicht rechnen, da der Überschuss zu gering ist.
Die Kosten für die Bestandsaufnahme und Planung liegen in der Schweiz bei CHF 500–1'000. Seriöse Installateure verrechnen diese beim Zustandekommen des Auftrags nicht separat.
Schritt 2: AC- oder DC-Kopplung wählen
Für die Nachrüstung kommen beide Kopplungsarten in Frage, doch AC-Kopplung ist meistens der pragmatischere Weg. Der Grund: Ihr bestehender PV-Wechselrichter bleibt erhalten. Der Speicher wird als eigenständiges System ans Hausnetz angeschlossen und funktioniert unabhängig von der PV-Seite.
Folgende Speichersysteme eignen sich besonders gut für die Nachrüstung in der Schweiz:
- Tesla Powerwall 3: Komplettsystem mit integriertem Wechselrichter, einfachste Installation, 13,5 kWh. Preis: CHF 11'000–13'500 inklusive Montage.
- sonnenBatterie 10: Ebenfalls mit integriertem Wechselrichter, 5,5–27,5 kWh modular. Preis ab CHF 8'500.
- BYD HVS mit separatem Batterie-Wechselrichter: Flexibel, 5,1–25,6 kWh, benötigt zusätzlich einen SMA oder Victron Wechselrichter. Preis ab CHF 8'000.
DC-Kopplung lohnt sich bei der Nachrüstung nur, wenn der bestehende Wechselrichter ohnehin am Ende seiner Lebensdauer ist und sowieso ersetzt werden muss.
Schritt 3: Förderungen vor Baubeginn beantragen
Ein häufiger Fehler: Viele Eigenheimbesitzer bestellen den Speicher und beantragen die Förderung erst danach. In den meisten Schweizer Kantonen muss der Förderantrag vor Baubeginn eingereicht werden – andernfalls verfällt der Anspruch.
Die Speicherförderung gilt auch für Nachrüstungen, sofern die PV-Anlage die technischen Mindestanforderungen erfüllt. Im Kanton Thurgau erhalten Sie pauschal CHF 3'000, in St. Gallen CHF 300 pro kWh. Zusätzlich ist die Investition als energetische Sanierungsmassnahme steuerlich absetzbar. Planen Sie 2–8 Wochen für die Förderzusage ein.
Schritt 4: Installation und Inbetriebnahme
Die eigentliche Montage dauert in den meisten Fällen ein bis zwei Arbeitstage. Der Ablauf:
- Speichersystem im Keller oder Technikraum aufstellen (Wandmontage oder Bodenaufstellung)
- Elektrische Anbindung an die Hauptverteilung und den Smart Meter
- Konfiguration des Energiemanagementsystems
- Funktionstest und Inbetriebnahme
- Anmeldung beim lokalen Energieversorger (durch den Installateur)
In der Schweiz muss die Installation zwingend von einem konzessionierten Elektroinstallateur durchgeführt werden. Achten Sie auf die Swissolar-Zertifizierung und Erfahrung mit Speichersystemen. Die Gesamtkosten für eine typische Nachrüstung mit 10-kWh-System liegen bei CHF 9'000–15'000 inklusive aller Arbeiten.
Schritt 5: System einrichten und optimieren
Nach der Montage wird das System über eine App konfiguriert. Hier stellen Sie ein, welche Prioritäten das Energiemanagement verfolgt: Speicher zuerst laden, dann Elektroauto, dann Einspeisung. Bei Systemen mit Notstromfunktion definieren Sie, welche Stromkreise im Notfall versorgt werden.
Die ersten Wochen nach der Installation sind ideal, um den Speicher zu beobachten und gegebenenfalls Einstellungen anzupassen. In den Sommermonaten sollte der Speicher täglich einen vollständigen Zyklus durchlaufen. Wenn er regelmässig nur halb geladen wird, war die Dimensionierung möglicherweise zu gross.
Zeitplan: Vom Erstgespräch bis zum fertigen Speicher
Realistischer Zeitrahmen für eine Nachrüstung in der Schweiz:
- Woche 1–2: Beratung und Bestandsaufnahme vor Ort
- Woche 2–3: Offerte und Förderantrag einreichen
- Woche 3–8: Förderzusage abwarten (kantonsabhängig)
- Woche 8–10: Bestellung und Lieferung des Speichersystems
- Woche 10–11: Montage und Inbetriebnahme
Insgesamt vergehen 8–12 Wochen. In Kantonen mit schneller Förderabwicklung wie Thurgau oder Appenzell Ausserrhoden kann es auch in 6 Wochen klappen. Idealerweise starten Sie den Prozess im Februar/März, damit der Speicher zum Sommerbeginn betriebsbereit ist und Sie von der maximalen Solarproduktion profitieren.
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